Seit August 2002 heißen wir "Erich Kästner Realschule"

 

Erich Kästner entfaltete in der Weimarer Republik eine rege Tätigkeit als Schriftsteller und Publizist. Von hohem Ansehen und mit der Fähigkeit begabt, auch komplizierte Sachverhalte verständlich auszudrücken, wurde er einer der populärsten deutschen Schriftsteller, nicht zuletzt, weil im Mittelpunkt seines Werkes immer wieder die "kleinen Leute" stehen, deren wirtschaftliche und soziale Sorgen er einfühlend darzustellen vermochte.
Dabei nahm er eine gesellschaftskritische Haltung ein; folgerichtig wurden seine Werke im Dritten Reich verboten. Nach dem Krieg schrieb Kästner zahlreiche kabarettistische Texte und entwickelte wieder eine breite publizistische Tätigkeit. Und nach wie vor verstand er sich als Anwalt der Kinder.

Bronzeplastik auf der Mauer des Erich-Kästner-Museums in Dresden

P. Bubenik (GNU-FDL)

Der heutigen Generation ist Kästner in erster Linie als Autor berühmter Kinderbücher bekannt. Die wichtigsten Romane wie "Pünktchen und Anton" oder das "Doppelte Lottchen" erfuhren noch vor kurzer Zeit erfolgreiche Neuverfilmungen.

Kästner sieht die Kinder in seinen Werken als autonome und den Erwachsenen nicht unterlegene Persönlichkeiten. "Ihre Charaktere besitzen oder entwickeln jene Wertvorstellungen, die im Rahmen der christlichen und aufklärerischen Tugendlehre stehen, hierzu gehören die Idee der Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit, Besonnenheit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, die von den Kindern - in explizierter Vorbildfunktion - praktiziert werden. " (Kritisches Lexikon der deutschen Gegenwartsliteratur, hg. v. Heinz Ludwig Arnold, Bd. V)

Kästner blendet in seinen Kinderbüchern den realen gesellschaftfichen Hintergrund bewusst nicht aus, er erspart seinen jungen Lesern so auch nicht die Erfahrung von Leid und Ungerechtigkeit durch bestimmte Vertreter der Erwachsenenwelt. "Seinen" Kindern gelingt es aber immer wieder eine Gemeinschaft zu bilden, die diese Widerstände erfolgreich besiegt. Gerade durch diese Tugenden eignen sich Kästners Helden als Vorbild einer Schülergeneration, deren Weltbild durch Werteschwund, soziale Unsicherheiten, globale Probleme wie Umweltschäden oder Terrorismus geprägt ist.

Seine Texte zeichnen sich durch Wirklichkeitsnähe, Ironie und Zeitkritik aus und können daher einen Beitrag leisten, junge Menschen zu selbstbewussten, kritischen und doch lebensbejahenden Persönlichkeiten zu erziehen.

Diese Fähigkeiten entsprechen wesentlichen Leitsätzen unseres Schulprogramms. Aus diesen Gründen haben sich Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern in der Schulkonferenz vom 29.11.2001 dafür ausgesprochen, der Kempener Realschule künftig den Namen "Erich Kästner Realschule" zu geben.

Zum Entscheidungsprozess:

Der Wunsch, der Schule den Namen einer Persönlichkeit zu geben, die für Schülerinnen und Schüler Lebensorientierung und Vorbildcharakter haben kann, existiert schon seit einigen Jahren.

Durch Veröffentlichungen der Schulleitung in der Schule und der örtlichen Presse, unterstützt durch eine Umfrage des Fördervereins, gingen 110 Vorschläge ein. Drei Namen kamen in die engere Wahl.

Ein Name musste entfallen, da Verunglimpfungen durch Abkürzungen nicht ausgeschlossen werden konnten.

Zu den beiden favorisierten Vorschlägen erstellte eine Schülergruppe Informationstafeln und führte anlässlich des Schulfestes eine Befragung durch.

Mit großer Mehrheit entschieden sich die Befragten, die Schulpflegschaft und die Schulkonferenz für den Namen "Erich Kästner Realschule".

 

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